Friday, January 6, 2006

Wintereindrücke aus Kaschmir

Posted in Bagh area at 8:54 am by 1840forBagh

(GS, 6.1.2006)

Am naechsten Morgen zeigt der erste Blick aus dem Iglu – Schneefall. Inzwischen liegt mindestens ein halber Meter Neuschnee. Eigentlich wollen wir gar nicht aus dem Bett. Die Vorstellung jetzt wieder das nasse Gewand anziehen zu muesssen ist deprimierend.

Noch eine Bemerkung zu den sanitaeren Verhaeltnissen. Auf die Toilette gehen hiess: Socken ausziehen (die will man trocken haben) Hose ueber die Knie ziehen und barfuss raus in den Tiefschnee, moeglichst weit weg von den Huetten – und dann einfach ganz entspannen und locker bleiben.

Ein heisser Milchtee zum Fruehstueck bringt uns langsam wieder auf die Beine. Niemand hat so recht Lust das Iglu zu verlassen,aber es hilft nichts. Rein in die nasse Hose,den nassen Pullover,die nassen Schuhe und die Jacke,die noch immer fuenf Kilo hat,so vollgesogen ist sie mit Wasser. Zwei Kameras haben auch den Geist aufgegeben – zu feucht ? zu kalt ?

Dann beginnt der Abstieg – in der Diretissima, damit wir schneller auf den ausgetretenen Weg kommen. Wasir geht voraus,er kennt jeden Stein unter dem knietiefen Schnee und sein Tritt ist sicher. Heute traegt er sogar Socken in seinen Halbschuhen. Nach kurzer Zeit sind wir wieder voellig durchnaesst. Aus jeder Huette, an der wir vorbeigehen kommen die Leute heraus,teils aus Neugier,denn hier oben hat man selten einen Fremden gesehen schon gar nicht um diese Zeit und bei diesem Wetter,alle aber wollen sich fuer die Hilfe bedanken und uns ihr Iglu zeigen. Nach einer Stunde lassen wir uns gerne wieder auf einen Tee einladen. Ahmed,unser Field Manager ist nicht ganz so begeistert,denn er moechte moeglichst schnell hinunter ins Lager. Er macht sich Sorgen – zu Recht wie sich heraustellt.

Nach eineinhalb Stunden erreichen wir das Field Office. Wieder durchnass bis auf die Haut. Ahmeds Sorgen waren berechtigt. Wir hoeren,dass zwei Zelte in der Nacht zusammengefallen waren. Mein Koffer ist nass – jetzt wieder nasse Kleidung und ich flippe aus. Gott sei Dank – frische trockene Kleidung und auch noch genug davon. Mein nasses Zeug lasse ich einfach im Zelt. Soll nehmen wer will ich wuerde es bis Wien nicht mehr trocken bekommen. Inzwischen hoeren wir im Field Office von Erdrutschen, die Strassenach Bagh soll verschuettet sein aber die Armee mit “heavy machinery” bereits am Werken. Also ab Richtung Bagh. Auf halber Strecke ist die Strasse auf 50 Meter komplett verschuettet und von der Armee keine Spur. Warten hat keinen Sinn. Wieder bieten mir Leute Quartier an, einige von den Figuren kenne ich bereits,sie wollen dann ein Iglu dafuer, zwar nicht direkt ausgesprochen aber doch deutlich zu verstehen. Nicht mit mir und ich will auch Ahmed nicht kompromittieren. Also Koffer und Kamerarucksack raus aus dem Auto im Laufschritt ueber den Erdrutsch und auf der anderen Seite in ein Taxi. Der Taxler faehrt was die Karre hergibt, immer einen Blick nach oben ob nicht irgendwo weitere Erdmassen und Steine zu rutschen beginnen.

Wir erreichen das Quartier in Bagh. In der ganzen Stadt Dreck,Schlamm, Dauerregen und Stromausfall. Zimmertemperatur laut Handythermometer 8 Grad. Mit zwei Hosen, zwei Pullovern und dicken Socken unter die Decke.

von Gottfried Strasser

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